St. Bernhards-Klub e.V.

1. Spezialklub für Bernhardiner gegründet 1891

Die Urahnen

"Der Bernhardiner gehört zu den doggenartigen Hunden!" Mit diesen Worten begann Prof. Dr. Albert Heim seinen Vortrag am 23.04.1927 in Bern anlässlich eines Bernhardiner-Richterkurses. Er führte weiter aus, dass die Römer über die Alpen Hunde in das Gebiet der heutigen Schweiz mitbrachten. Diese römischen Hunde, "die Molosser", bezeichnete er als die Ahnherrn der Bernhardiner.

Es gibt Kynologen, die dieser Theorie widersprechen. Einer der bekanntesten ist Dr. Räber. Er behauptet, die Herkunft der Hospizhunde liege im Dunkeln und bezeichnet sie , "als einen Ast vom riesigen Baum des weitverbreiteten großen Alpenhundes, der großen Hirten- und Bauernhunde", auch Kühehunde genannt.

Beide Aussagen, so entgegengesetzt sie auch erscheinen mögen, sind in Wirklichkeit nicht widersprüchlich. Die schweizerischen Paläontologen Prof. Dr. Studer und Prof. Dr. Keller sowie der Deutsche Prof. Dr. Krämer, der einen Lehrstuhl in der Schweiz hatte, kamen, ausgehend von den Knochenfunden und vergleichenden Vermessungen mit den modernen Rassen, übereinstimmend zu der Aussage, dass die so genannten Kühe- oder Sennenhunde - ebenfalls wie der Bernhardiner - doggenartig seien. Der wesentliche Unterschied in ihren Auffassungen ist nicht zu klären, denn der eine nimmt an, dass sich doggenartige Hunde regional entwickeln konnten (Studer) und die anderen, dass sie asiatischen Ursprungs seien (Keller, Krämer).

Die beiden letzteren waren der Meinung, dass der Bernhardiner, wie auch die mit ihm verwandten Rassen (Pyrenäenhund, Sennenhund usw.) seinen Ursprung im asiatischen Raum hat und damit eng verwandt mit der Tibetdogge ist. Sie begründeten ihre Theorie damit, dass es keine Knochenfunde von so genannten "molossoiden" Hunden in der Schweiz gab, die vorrömischen Ursprungs seien (während durchaus Funde von anderen Hundetypen aus der vorrömischen Zeit gemacht wurden). Literaturverweise aus griechischer und römischer Zeit von Geschenken in Form großer Hunde aus dem assyrischen Raum bestärkten sie in ihrer Annahme. Tschudy gelang es in überzeugender Art und Weise die unterschiedlichen Theorie gegenüberzustellen. Er kam zu dem Schluss, dass die Theorie von Keller und Krämer überzeugender sei. Letztendlich gibt es dabei natürlich keine Sicherheit. Fest steht aber die enge Verwandtschaft des Bernhardiners mit anderen doggenartigen Rassen.

Für uns heutzutage ist es sicherlich auch nicht ganz so wichtig, welchen Ursprung die Rasse in frühgeschichtlicher Zeit hatte, sondern mehr, wie sie sich entwickelte und welche Eigenschaften die "Könige der Alpen" bis in unsere Zeit retteten konnten.

Die Hospizhunde

Man kann nicht über Bernhardiner oder St. Bernhards-Hunde, wie sie früher genannt wurden, schreiben, ohne einige Worte über das auf der Passhöhe liegende Hospiz zu verlieren. Die Römer hatten schon im Jahre 47 v. Chr. einen gepflasterten Pfad über den Alpenpass gebaut, der heute der "Große St.-Bernhards-Pass" genannt wird.

Etwa 950 nach Chr. wurden der römische Jupitertempel sowie die Schutzhäuser an der Passhöhe von den Sarazenen zerstört. Die Legende berichtet, dass um 980 der Augustinermönch "Bernhard von Menthon" das Hospiz gegründet haben soll. Der Übergang über den Mont Joux, wie der heutige Große St. Bernhard hieß, wurde nicht nur Handels-, sondern auch Pilgerweg. Der Prior Ch. Lugon fand in den Hospizarchiven bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts weder Bilder noch Schriftstücke, die das Vorhandensein von Hunden bezeugten. Räber bemerkt, "wären sie vorhanden gewesen, so hätte man in der zwischen 1611 und 1614 verfassten Beschreibung der Dienstleistungen der Ordensleute sicher von ihnen berichtet".

Ein Bild im Hospiz aus dem Jahre 1695 zeigt einen Bernhardiner. 1707 meldet die erste Archivnotiz über Hunde: "Ein Hund wurde uns verschüttet." Aus der weiteren Geschichte der Hunde auf dem Hospiz werden im folgenden einige Punkte herausgegriffen: 1787 wehrten die Hunde eine Einbrecherbande ab. Zwischen 1788 und 1800 überschritten etwa 200 000 Soldaten den Pass, im Mai 1800 Napoleon mit einem Heer von 30 000 bis 40 000 Mann. Es lag noch hoher Schnee, es gab viele Hilfsbedürftige und Tote.

Hunde wurden von den Mönchen als Begleit- und Suchhunde eingesetzt. Sie waren als Retter für viele Menschen bekannt geworden.

1800 bis 1812 lebte im Hospiz der bis in die heutige Zeit sagenumwobene BARRY. Er soll etwa 40 Menschen das Leben gerettet haben. Die rührende Legende, nach der Barry einen kleinen, im Schnee liegenden Jungen durch intensives Belecken weckte und ihn dann bewog, sich auf seinen Rücken zu setzen, um ihn zum Hospiz zu tragen, ging in alle Welt und verbreitete den Ruhm der Rasse. Leider ist diese Geschichte bis heute nicht bewiesen worden. Im Jahre 1814 starb Barry in Bern an Altersschwäche. Barry war einer der letzten Vertreter einer Rasse, für die es noch keinen einheitlichen Namen gab. Die Engländer nannten die Hunde vom Hospiz "heilige Hunde" oder "St.Bernards-Mastif". Im Kanton Bern hießen sie noch bis 1860 "Barryhüng". St.-Bernhards-Hunde werden sie noch 1823 genannt. Erst seit 1865 wird der Name "Bernhardiner" gebräuchlich. 1856 wird erstmals auf dem Hospiz eine Einkreuzung mit Neufundländern vermerkt. Bis dahin gab es nur den stockhaarigen (kurzhaarigen) Bernhardiner. Doch noch 1850 gelangten mehrmals langhaarige Bernhardiner ins Tal. Sie wirken dekorativer, mächtiger als die stockhaarigen, und so ist es denn nicht zu verwundern, dass der langhaarige heute wesentlich öfter anzutreffen ist als der kurzhaarige Bernhardiner. Exakt beweisen lässt sich die Annahme, dass der langhaarige Bernhardiner durch Einkreuzung von Neufundländern entstanden ist, ebenso wenig wie alle anderen Behauptungen. Fest steht aber, dass die Mönche die langhaarigen als für den Bergdienst unbrauchbar erkannten und diese Hunde an hochstehende Persönlichkeiten verschenkten oder auch verkauften (u.a. an den Grafen Pourtales, die Grafen von Rougemont, den Oberst Ris zu Bern oder an die russische Großfürstin Anna Feodorovna, um nur wenige zu nennen).

Anfang der Reinzucht

Aus der Nachzucht des Grafen v. Rougemont in Löwenberg bei Murten stammt das Zuchtpaar, mit dem ein Metzger und Gastwirt aus Holligen bei Bern, Heinrich Schumacher, seine Zucht aufbaute. Schumacher gilt als der Begründer der modernen Bernhardinerzucht. Der genaue Beginn dieser Zucht lässt sich nicht nachweisen. Doch 1867 erreichten die von ihm gezogenen Hunde Sultan 1 und Favorite 1 auf der Weltausstellung in Paris bereits Goldmedaillen. Schumacher orientierte seine Zucht an dem Hospiztyp. Er stand in regem Kontakt mit dem Hospiz. Er bezog Zuchttiere aus dem Hospiz, und das Hospiz nahm Schumacherhunde zur Zucht. Da Schumachers Idealhund Barry I stockhaarig war, züchtete er konsequent nur stockhaarige Hunde. 1890 gab Schumacher die Zucht auf, deprimiert, weil jüngere Züchter einen neuen Typ herausbrachten und nicht gleich ihm, dem Hospiztyp, den Vorzug gaben. In einem Brief an die neu gegründete Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG) schrieb er 1884 u.a. folgendes: " Mein einziges Prinzip in der Zucht bestand einfach darin, möglichste Ähnlichkeit in Behaarung und Körperbau mit dem berühmten Barry des bernischen Museums zu erzielen, dabei die Intelligenz und Lebhaftigkeit zu berücksichtigen, was bedingt, dass meine Hunde Supraorbitalrand besitzen, dass sie breiten Schädel, Nacken und Augen, schmalen Nasenrücken, tiefhängende Lippen und Wamme, sehr starken Nasenschwamm, welcher starken Geruchssinn und Intelligenz andeutete und bewies, die richtige Behaarung, breite und tiefe Brust, kurzen Körper und hohe Läufe (wie beim Pferd, nicht wie beim Rind) haben mussten. Die Meinungen der modernen Züchter und deren Richtungen, welche mich überflügelten, aber nicht des Besseren überzeugten, gingen dahin, auf enorme Größe und Stärke, ungeheure Köpfe, kurz, rund und dick zu züchten, wodurch sie zu Masthunden wurden und dadurch leider die Intelligenz und Lebhaftigkeit einbüßten. Es sind wahre Schau- und Ausstellungsexemplare geworden, aber wo sind nun die wahren St.-Bernhards-Hunde; ich lasse mich nicht bekehren ..." Da aber die Kaufinteressenten wie Ausstellungsbesucher den langhaarigen, mit schweren, kantigen Schädel versehenen Typ dem leichten, langschnauzigen und kurzhaarigen vorzogen, musste er zwangsweise unterliegen.

1887 fand in Zürich ein Kongress statt, auf dem es gelang, die bisweilen weit auseinanderschweifenden Vorstellungen zu vereinheitlichen. Der von den Schweizer Züchtern, den Herren Dr. Th. Künzli, Max Silber und E. Bauer aufgestellte Standard wurde, mit Ausnahme von England, als der alleinige Standard anerkannt. Seit dieser Zeit gilt der Bernhardiner als schweizerische Rasse. Heute müssen alle Züchter, die einem der F.C.I. unterstellten Bernhardinerklub angehören, nach diesem Standard züchten. Nur die Bernhardiner, die aus einer Zucht stammen, deren Besitzer in der Lage ist, die entsprechenden Abstammungsnachweise mitzugeben, werden als reinrassig anerkannt.