St. Bernhards-Klub e.V.

1. Spezialklub für Bernhardiner gegründet 1891

Zuchtschätzung und Zuchtwerte

Die Vereine sind bemüht, ihren Züchtern  Informationen über zuchtrelevante Daten zur Verfügung zu stellen. Die wichtigsten zuchtrelevanten Daten beziehen sich auf Erbkrankheiten oder Eigenschaften, die für die gesundheitliche Entwicklung wichtig sind. Für jeden Züchter ist es notwendig, abschätzen zu können, mit welchen Eigenschaften er bei den zu erwarten- den Welpen zu rechnen hat. Oft lassen sich diese wahrscheinlichen Eigenschaften aber bei den Elterntieren nicht erkennen oder vorherbestimmen, weil die Erbgänge recht kompliziert sind. Diese etwas komplizierter vererbbaren Eigenschaften kann man nur erkennen, wenn man Informationen über möglichst viele mit den Eltern verwandte Tiere erhält. Der TG-Verlag sammelt für uns diese Informationen und fasst sie zu einem Zahlenwert zusammen – dem sogenannten Zuchtwert. Dieser Wert sagt nur etwas darüber aus, wie der Hund die eine betrachtete Eigenschaft wahrscheinlich vererbt. Er sagt nichts über den Hund selbst aus und schon gar nichts über seinen Wert in der Zucht. Der Zuchtwert hat nur eine Bedeutung in der Zucht für die zu erwartenden Nachkommen, nicht aber für das Elterntier. Er ist kein fester Wert, der nur einmal berechnet wird und dann feststeht. Er kann sich immer ändern, wenn neue Informationen über ein verwandtes Tier geliefert werden.

Der durchschnittliche Wert aller erfassten Hunde beträgt 100. Dieser Wert bedeutet, dass das Tier wahrscheinlich durchschnittlich die betrachtete Eigenschaft vererben wird.

Die Zuchtwerte eines Landes orientieren sich nur an den Ergebnissen der dort erfassten Tiere. Sie sind daher mit den Zuchtwerten eines anderen Landes nicht ganz vergleichbar. Im Laufe der Jahre wird allerdings auch hier eine Annäherung stattfinden. Um Werte untereinander zu vergleichen, muss man wissen, welche Bedeutung der jeweilige Durchschnittswert 100 hat.

Da wir uns sehr bei unserer Rasse in den Punkten HD, ED und Straffheit der Haut verbessert haben, hat der ursprüngliche Wert 100 nicht mehr die Bedeutung von früher. Der Durchschnitt hat sich verbessert – also gibt der Wert 100 eine etwas bessere Merkmalsausprägung als früher an. Dies gilt insbesondere bei dem Zuchtwert ED. Da unsere Rasse nicht allzu stark unter ED-Erkrankungen leidet, gibt ein Wert über 100 nicht immer einen stark belastenden Wert an, sondern kennzeichnet nur eine Erbbelastung, die abweicht vom Normalfall – der Eigenschaft “ED-Frei“. In Deutschland erfolgt eine HD-Untersuch seit dem Jahr 1981. Der durchschnittliche Zuchtwert 100 bezieht sich daher auf alle Hunde, die seit 1981 in Bezug auf HD untersucht wurden. Da die Rasse sich in puncto HD sehr stark verbesserte, spiegelt dieser Wert 100 nicht mehr die Ergebnisse der letzten Jahre wieder. Bezieht man sich auf die Ergebnisse der letzten Jahre, so müsste der durchschnittliche Zuchtwert für HD bei 87 festgesetzt werden. Eine Verbesserung der Population konnte daher in Deutschland nur durch eine Umstellung der Zuchtwertschätzung erfolgen.

Wir lassen Zuchtwerte für derzeit vier Eigenschaften erstellen. Diese sind:

  • Hüftgelenkdysplasie
  • Ellenbogendysplasie
  • Straffheit der Haut
  • Lidschluss des Auges

Seit dem 01. Juli 2012 gibt es nun einen verbindlichen Zuchtplan zur Bekämpfung der HD, in dem die Hüfte jetzt nach ihrer Qualität (HQ) bewertet wird (s. bei Dokumenten). Durch diese Umstellung sind alle Zuchtwerte so gestaltet, dass der höhere Wert der bessere ist. Werte, die über 100 liegen, sind Werten unter 100 zu bevorzugen.

Die Züchter sind angehalten, die Informationen, die sie über die Zuchtwerte erhalten, in ihre  Planung einzubeziehen.

Die Vereine wollen keinen Züchter bevormunden, sondern ihm nur Informationen liefern. Wir wissen alle, dass die richtige Auswahl immer ein Kompromiss zwischen allen Eigenschaften ist und es kaum möglich ist alles auf einmal zu erreichen. Zuchtplanung ist eine langfristige Angelegenheit und nicht auf die nächsten zwei Jahre ausgerichtet.

Jeder, der dies versteht wird damit umgehen können.

Natürlich hoffen wir, dass diese Informationen aufgenommen werden und unsere geliebte Rasse sich in Zukunft noch gesunder darstellen kann als zum heutigen Zeitpunkt.